Rosenkrieg

Guy Rose - The cabbage patch (Quelle: Wikipaintings)

„Schatz…“

„Schatz, wir müssen über unsere Beziehung sprechen.“ Er lehnte sich etwas vor. Den Blick gesenkt, allerdings ohne auf den Teller zu sehen, hob er seinen Zeigefinger. „Ich weiß, ich habe Fehler gemacht. Meine Bemerkungen über Katja waren… unangebracht und ich kann verstehen, dass Du beleidigt warst. Und Du brauchst mir auch nichts wegen letzten Samstag sagen, aber…“

Er holte tief Luft. Er hob den Blick, versuchte sie anzusehen, doch schaute dann schnell wieder beiseite. „Aber es ist nicht so, dass ich… Nein, sag jetzt nichts! Es ist nicht so, als ob ich nicht auch… Geduld gezeigt habe. Alleine schon die Sache mit Deinen Eltern oder Fabian! Fabian! Ich weiß, Du hast Dich entschuldigt und… und… Also laß uns nicht über Fabian sprechen! Das ist auch nur ein Punkt.“

Sein Daumen und sein Zeigefinger formten einen Kreis. Er sprach jetzt sehr präzise. „Der Punkt ist: Wir haben beide Fehler gemacht! Wir haben beide Fehler gemacht und ich dachte, dass wir damit umgehen können. Aber jetzt… jetzt, das hier! Also… Was soll das? Was soll der Rosenkohl? Haßt Du mich so sehr? Bedeute ich Dir garnichts mehr?“

Sein Kopf war rot geworden und seine Stimme überschlug sich gelegentlich. Er versuchte sich zurückzuhalten. „Weißt Du, weißt Du… Also wenn wir jetzt wegen Wally einen Sorgerechtsstreit hätten, dann würde ich das Sorgerecht bekommen. Ich! Nicht Du! Und dabei mag ich überhaupt keine Hunde.“ Er starrte jetzt in offener Feindseligkeit über den Tisch hinweg. „Ja, und das wegen dem Rosenkohl hier! Das reicht schon! Das würde vor Gericht reichen! Jeder! Jeder versteht das! Also verrate mir ehrlich: Ist es einfach nur Dein Hass auf mich? Oder bin ich Dir vollkommen egal, dass Du…“

Plötzlich schluchzte er. „Und dabei dachte ich… Also das Steak, das war ja… Aber dann als ich den Rosenkohl gesehen habe, da… Gott, wie kannst Du so etwas tun? Du… Du Unmensch!“ Schluchzend sprang er von seinem Stuhl auf und rannte aus der Raum.

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6 Antworten zu Rosenkrieg

  1. Frau Körb schreibt:

    Verehrte Redaktion,
    sagen Sie bitte, was haben Sie gegen Rosenkohl???
    Da steige ich von meinem Turm aus Möbelstücken, auf dem ich aus aktuellem Anlass einen Sitzstreik abhalte (mehr dazu bei den „Wintermütter“n) und nur alle zwei bis drei Tage herunterkomme und nun wettern Sie auch noch über Rosenkohl! Solch zartes Gewächs, welches von unseren Müttern stets zu gelbbraunem Mjlätsch (sprechen Sie „Matsch“ mit einem Mund voll Rosenkohl) zu Tode gekocht wurde und doch eine Delikatesse darstellt, mit ein wenig brauner Butter oder noch besser in Butter braun gerösteten Semmelbröseln, dazu frische Petersilienkatoffeln gereicht —
    Aha! Nun ereilte mich der schwer versteckte Gedankenblitz: der Todesrosenkohl ist das Rezept Ihrer Wahl, mit dem Schneewittchen im Heimatministerium zu überrauschen wäre! Genial! Ich danke Ihnen und halte Sie auf dem Laufenden, da sobald die Jungens aus Hamburg endlich die Kaution für ihre Klobürsten geleistet haben, wir zu frischer Tat nach Nürnberg schreiten! Vivat el rozenta chola
    E viva la estanteria
    Frau Körb

    • kaminkatze schreibt:

      Sehr geehrte Frau Körb,

      Sie haben recht: Rosenkohl ist durchaus etwas ausgesprochen vorzügliches. Es gibt in der Redaktion einige sehr große Befürworter dieses Gewächses. Nichtsdestotrotz ist uns nicht entgangen, dass einige Teile der Bevölkerung (unverständlicherweise) auf Rosenkohl geradezu panisch reagieren. Diesen Sachverhalt und die daraus resultierenden Probleme wollten wir journalistisch dokumentieren.

      Ansonsten hoffen wir, dass sie bald wieder von dem Turm herunterkommen können. Auch wenn sie ein ausgesprochen wichtiges und richtiges Thema ansprechen, so wollen wir Sie sicherheitshalber darauf ansprechen, dass ein Sitzstreik als Trotzreaktion interpretiert werden kann. Gerade Sie sollten sich ja bewußt sein, wohin das zu führen vermag.

      • Frau Körb schreibt:

        Danke.
        Da ich aber von den bellenden Hunde doch ein wenig betroffen bin, so war mir die trotzkische Flucht auf den Turm lieber, als im Speichel- und Urintröpfchennebel der teils undichten Kläffer zu verschwinden.

        Ich würde mit Ihrem Einverständnis den Rosenkohl gern am Sonntag Schneewittchen servieren, ich werde natürlich ausdrücklich auf Ihr Gedankenurheberrecht hinweisen und hoffen, dass smartphone-Benutzer die Sache mit der link-Benutzung doch irgendwann einmal begreifen und vielleicht sogar benutzen.
        Es grüßt Sie herzlich
        Frau R.(apunzel) Körb

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Frau Körb,

        Es ist nur verständlich, dass man sich vor dem intellektuellen und sonstigen Auswurf mancher Menschen einfach nur schützen will. Nicht umsonst wird der Intellektuelle an sich dadurch erkennbar, dass er oder sie bei jedem Wetter einen Regenschirm dabei hat.

        Was Ihre kulinarischen Ambitionen betrifft, so bitten wir sie darum sich keinesfalls zurückzuhalten. Was gibt es angenehmeres als sich an einer warmen, selbst zubereiteten Mahlzeit zu erfreuen, während all die Neinsager und Neider darauf verzichten müssen. Ein Genuß!

      • Frau Körb schreibt:

        So seine Sie denn herzlich eingeladen auf eine Portion Kohl beim fränkischen Staatsschutz. Gerade ist es angerichtet und noch warm!
        Herzliche Grüße
        Frau Körb

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Frau Körb,

        Vielen Dank für die Einladung! Da wir wegen des anstehenden Redaktionsschlusses nicht daran teilnehmen können, lassen Sie es sich munden!

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