Neues aus der Redaktionssitzung

Giovanni Boldini - The newspaperman/The newspaper (Quelle: Wikipaintings)

„Was schreibt denn Dr. Eichhorn dazu?“

Die Praktikantin beugte sich über ihren Laptop. „Die ideologische Prägung einer sozio-ökonomischen Entität wird dominiert von der Prävalenz psychosozialer Charateristika, deren Inzidenz nicht statistisch erfasst werden kann ohne die der Entität inhärenten, aktiv applizierten hierarchischen Strukturen, beziehungsweise der Machtarchitektur Genüge zu tun, besonders unter der Annahme von Psychopathie und Soziopathie als exklusive intrinsische Spezifika der spät-kapitalistischen Wirtschaftsform.“

Für einen Moment herrschte Stille um den Tisch.

Dann schüttelte der Chefredakteur verwirrt den Kopf. „Also wie sieht es aus: Sollen wir die Bild-Schlagzeile zu den neuen NSA-Schnüffelaktionen glauben oder nicht?“

Das Gürteltier schnaufte. „Komisch, dass wir diese Frage jetzt bei Bild stellen. Wir glauben sonst ja auch einem Computernerd, der in russischen Kellern hockt, beziehungsweise seinem schwulen Freund in Brasilien.“

„Nein! Also das… Das ist etwas ganz anderes.“ Das Nashorn schüttelte seinen Kopf.

„Ach ja, was denn?“

„Also im Falle von Snowden, der hat ja die Unterlagen verkauft, oder? Also der hat die an den Greenwald und den Putin verkauft. Und die Chinesen. Das heißt die sind ja was wert, oder? Wenn man was kauft, dann sind die auch was wert. Also…“

Ein lautes Schluchzen unterbrach es. „Ja, aber das ist doch garnicht wichtig! Darum geht es doch garnicht. Die USA… Sie lieben uns nicht mehr. Sie lieben uns einfach nicht mehr,“ heulte der Hund laut auf.

Der Chefredakteur schob beunruhigt das Wollknäuel vor sich hin und her. „Zurück zum Thema: Ich will keinen Aufmacher haben, der sich nachher als Bild-Erfindung herausstellt. kaminkatze.de ist eine seriöse Nachrichtenquelle.“

„Aber Chef…,“ die Praktikantin rückte ihre Brille zurecht. „Etwas ist in diesem Fall wirklich merkwürdig. Weil die sich auf mündliche Aussagen berufen. Snowden hatte ja Unterlagen, die teilweise zugänglich sind. Aber in diesem Fall ist das anders: Welcher Mitarbeiter geht direkt zu einer Deutschen Zeitung und erklärt denen was die gerade machen…“

„Das! Also das…“ Das Nashorn wedelte heftig mit seinem Horn herum. „Das ist überhaupt nicht wichtig. Hier geht es um viel wichtigeres: Kommt der auch aus Russland? Oder aus China wie der Snowden? Doppelspionage! Trippelspionage! Und eine Deutsche Qualitätszeitung mittendrin. Das ist eine Schlagzeile.“

In den Augen des Gürteltiers funkelte es. „Die Russen benutzen Bild, um den USA und Deutschland nach ihrer Niederlage in der Ukraine eins auszuwischen.“ Ein breites Grinsen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab.

„Ich bin mir unsicher, ob wir damit an die Öffentlichkeit gehen können,“ sagte der Chefredakteur und hackte wild auf dem Wollknäuel herum, sprang dann auf den Tisch, stolperte als er nach dem Knäuel mit seiner Klaue schlug und schlitterte dann laut fauchend über die Tischoberfläche bevor er mit einem Aufschrei davon herunterstürzte.

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5 Antworten zu Neues aus der Redaktionssitzung

  1. Frau Körb schreibt:

    Verehrte Redaktion,
    Sie können! Und Sie müssen! Die Welt braucht Aufklärung über die Verstrickungen der verschworenen Theorien einzelner Massen! Dies sollte als eine Verteidigungsmöglichkeit gegen den Angriff des FSS in blockübergreifender Soziokollegialität in Erwägung gezogen werden!
    Mit herzlichen Grüßen
    Frau Körb
    (Sagen Sie, ist Dr. Eichhorn gerade erkältet und schleudert massiv von den bacillus eloquentus um sich? Ich kenne mich ja selbst nicht wieder…!)

    • kaminkatze schreibt:

      Sehr geehrte Frau Körb,

      Vorbehalt Ihrer Zustimmung als investigativer Journalistin, werden wir diese Neuigkeit natürlich gerne in unser Programm aufnehmen.

      Was Dr. Eichhorns Gesundheitszustand betrifft, so hat er sich selber beste Gesundheit attestiert. Zumindest haben wir sein 10seitiges Gutachten zu diesen Thema so verstanden. Wir können uns natürlich geirrt haben.

    • kaminkatze schreibt:

      Sehr geehrte Frau Körb,

      Wir haben uns bemüht ihre Recherchen vor dem Fränkischen Heimatschutzministerium in unserem neusten Beitrag zu verarbeiten. Vielleicht kommt die Warnung noch nicht zu spät…

      • Frau Körb schreibt:

        Verehrte Redaktion,
        ich schätze Ihre scharfgewürzte Zusammenfassung sehr! Allein die Jecken aus dem Rheinland sind in derartiger Überzahl hereingebrochen, dass es nicht zum Aushalten war und ich die Flucht nach vorn antreten musste.
        Wenn die Herren Minister dann zum Fasten schreiten, werde ich mich noch einmal unter den Halben Hummern umhören und hoffe, die Verbindung zwischen Friedrich, Horst dem Erdferkel und dem russischen KGB zu finden.
        Es handelt sich wirklich um eine größere Angelegenheit, wenn nicht sogar um eine erneute Verschwörung diverser subdiktatorischer Elemente, dh. China spielt auch hier eine Rolle, vielleicht sogar Indien.
        Wer hätte gedacht, dass eine kleine Söder’sche Bratwurst solch einen Wind machen kann!
        Mit herzlichen Grüßen
        Frau Körb

      • kaminkatze schreibt:

        Sehr geehrte Frau Körb,

        Es ist mutig, dass sie weiter am Ball bleiben und wir wünschen Ihnen dabei – sozusagen von investigativem Tierkollektiv zu investigativer Journalistin – auf jeden Fall viel Erfolg.

        Wie jedes Jahr ist natürlich damit zu rechnen, dass – trotz aller zahlenmäßigen Überlegenheit – das Standvermögen der Rheinländer etwas zu wünschen übrig läßt. Man weiß ja, womit diese Damen und Herren trainieren. Fränkische Urgesteine dürften da weitaus länger durchhalten.

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