Lorenz, mit Kippe im Mund

Gabriel Metsu - The old drinker (Quelle: Wikipaintings)

Lorenz hatte immer eine Kippe im Mund. Zumindest erschien es so. Er hatten den Körper eines Mannes der zuviel getrunken und zuviel geraucht hatte. Alle sagten, dass der Alkohol seine Karriere zerstört hatte. Keiner konnte sagen, woher diese Information eigentlich stammte.

Gelegentlich ließ er sich am Abend mit einem Bier überreden auf die Bühne zu gehen. „Ja, also… Ihr habt drei Worte!“ sagte er langsam ins Mikrofon. „Drei.“ und legte die Zigarette weg.

Und dann kam eine Geschichte über diese drei Worte. Inklusive ihrer etymologischen Herkunft, Details über ihre Verwendung in vergangenen Jahrhundert. Vor allem aber Geschichten: Eine Geschichte über diesen französischen Jäger aus dem 17ten Jahrhundert und seinen Hund (das Wort kam von einem blonden Schwulen). Dies verknüpft mit dieser einen heißen neuen App (dieses Wort hatte eine nach Lorenz‘ Worten „viel zu gut aussehende“ junge Frau im Publikum hereingerufen) und persischer Knüpfware (Wortgeber war ein Businessman mit gelockerter Krawatte, Mitte 40).

Über Lorenz‘ Geschichten wurde nicht gelacht oder geweint, man staunte nur über sie. Sie umspannten soviel und selbst wenn man Lorenz nicht sah oder kannte, zogen seine klaren, pointierten Worte die Aufmerksamkeit auf sich. Wenn man sich dann nach ihm umsah, dann hörte man ihm erst recht zu. Wie dieser Mann, der gerade noch an der Theke nur schleppennd hatte sprechen können, nun schief auf der Bühne stand und einen mitnahm auf eine Reise über die Erde und durch die Zeit, die von nichts angetrieben wurde als von drei Worten. Es war als ob ein Demenz-kranker Hundertjähriger sich als Weltklasserennfahrer entpuppte, der sich gerade den Grand Prix des Nürburgring abholte.

Die Gerüchter über Lorenz‘ ehemalige Tätigkeit als Autor hielten sich hartnäckig. Man war nach einer seiner Vorstellungen nur zu gerne bereit sie zu glauben.

Zurück an seinem Platz war er allerdings wieder dieser hagere Alkoholiker, der alles möglich erzählte, um ein Bier spendiert zu bekommen. Nicht nur was seine Vergangenheit betraf.

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