Der Tod des Auges

Odilon Redon - With closed eyes (Quelle: Wikipaintings)

Eines der unzähligen Augen des niemals schlafenden Medienbetriebes hat sich geschlossen. Der rasende Bewohner der westlichen Welt fragt sich, warum ihn das interessieren soll. Jeder Mensch ist ersetzbar, die Wahrnehmungslücke wird geschlossen werden.

Doch die Augen des Journalismus sind die Wahrnehmungsorgane des gesellschaftlichen Leviathans auf dessen Haut nun eine Narbe bleiben wird. Jedes abgetötete Auge hinterläßt eine häßliche Narbe in der nichts außer den Fleisch gewordene Symbolen des Verlustes wachsen kann. Dessen einzigartige Position und damit seine Perspektive werden blind bleiben.

Dadurch trübt sich der Gesamtblick und verzerrt den Blick auf jeden Teil der Welt auf den sich dieses Auge gerichtet hatte. Und in diesem Fall ist es der Blick eines selbsternannten Arztes und angeblichen Wunderheilers in eine offene Wunde. Denn nichts prägt den Blick der westlichen Welt auf Afghanistan mehr als die Vorstellung des Westens, die Heilung zu bringen. Dass der Patient inzwischen wegen Übermedikation auf dem blutigen Operationstisch in unwillkürliche Zuckungen verfallen ist kann nur mit ungetrübtem Blick wahrgenommen werden.

Solange die militärischen Pseudopodien der eigenen Gesellschaft in die dunkelsten Ecken der Welt zu reichen versuchen, ist jedes dorthin gerichtete Sinnesorgan wertvoll. Sonst wird das vor sich hineilenden, auf seinem Smartphone hastig die letzten Schlagzeilen lesende Gesellschaftsmitglied die gewaltsame Verengung des Gesichtsfeldes nicht wahrnehmen, bis zu dem Moment wo es blind auf eine viel befahrene Straße läuft.

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