Das Ende der Vorratsdaten

Max Schüler - Junge Frau am Telefon (Quelle: Wikimedia Commons)

Schon in dem Moment, wo sich die Nachricht verbreitet, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg die Vorratsdatenspeicherung verwerfen würde, machte sich Unruhe im IT-Zentrum eines großen Deutschen Internetproviders breit. Die dort versammelten Systemadministratoren waren bereits seit Tagen nervös, hatte sich doch bereits seit einem kritischen Antrag des Europäischen Generalanwalts abgezeichnet, dass es nicht gut um die Vorratsdatenspeicherung aussieht. Doch die Systemadministratoren hatten noch gehofft. Für ein paar Wochen hatten sie den Normalbetrieb weiter aufrecht erhalten. Aber nun gilt: Nichts mehr wird normal bleiben.

Der Techniker Michael K. bringt es auf den Punkt: „Wir wissen nicht wie lange die Daten noch reichen werden.“

Bisher hatten die Deutschen Internet- und Serviceprovider große Datenmengen vorhalten können. Damit ist es mit dem Urteil nun vorbei. Es werden nur noch Daten an die Internetnutzer weitergereicht werden können, die auch zuvor generiert wurden. Und genau hier liegt das Problem. Die Menge neuer Daten ist begrenzt und die alten Daten dürfen nicht mehr auf Vorrat gespeichert werden. Ein Ausbleiben der Daten ist vorprogrammiert.

Systemadministrator Ulli M. ist pessimistisch: „Momentan können wir nicht genau sagen, wann es losgeht. Aber kleinen Internetprovidern werden wahrscheinlich schon Mitte des Jahres die Vorratsdaten ausgehen. Deren Nutzer werden dann als erste in die Röhre gucken und auf neue Daten warten müssen.“ Zu den eigenen Vorräten will der Systemadministrator sich derzeit nicht äußern, aber für jeden der Angestellten ist klar, dass die Vorratsdaten nicht ewig vorhalten werden.

Die Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Martina Lokau von der Universität Neureuth hatte bereits vor Jahren auf die bevorstehende Krise in der Datenversorgung hingewiesen. „Heute hat jeder ein Smartphone oder ein Tablet. Wie bei anderen Rohstoffen auch, hat sich jahrelang keiner Gedanken gemacht, woher all die Daten kommen sollen, die jeder einzelne tagtäglich im Internet verbraucht. Mit dem Argument des Datenschutzes wird hier ein Problem dramatisch verschärft.“

Datenschützer sehen dies natürlich anders. Sie verweisen immer wieder auf den Mißbrauch der wehrlosen Daten, die in den großen Rechenzentren in qualvoller Käfighaltung teils jahrelang eingesperrt wurden, nur damit sie irgendwann verbraucht werden. „Wir erachten das heutige Urteil als ein Symbol der Menschlichkeit,“ teilt dazu Conny Lang von der Nichtregierungsorganisation „Ordentlicher Computerklub“ mit. „Daten werden immer noch eingesperrt und mißbraucht, aber zumindest werden sie nicht mehr in diesen unmenschlichen Betrieben dem uneingeschränkten Zugriff ausgesetzt.“

In den IT-Zentren Europas sieht man das Problem natürlich anders. Die großen Anbieter von Datendiensten sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Vorerst wird man mit den bisher gespeicherten Daten weiterarbeiten. Wie und wann der Verbraucher etwas vom Ende der Vorratsdatenspeicherung merkt wird sich erst im Laufe des Jahres zeigen.

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