Style-Kritik: #Berlinnazifrei

J. Trayer - Bretonnische Schneiderinnen (Quelle: Wikimedia Commons)

Berlin ist inzwischen die Modehauptstadt Deutschlands. Nicht nur ist sie Inspirationsquelle für internationale Modeschöpfer. Nein, in den Seitenstraßen der Hauptstadt kann man kleine Läden mit liebevoll handgefertigten Kleidern, ebenso wie die Laufstege der großen Veranstalter der Fashion Week entdecken. Doch auch außerhalb der Fashion Week gibt es Veranstaltungen, auf die Mode-Afficinados ihren Blick lenken sollten. Eine davon hat heute stattgefunden: #Berlinnazifrei

Wie Zeit Online in einer bewundernswerten Fotostrecke dokumentiert hat, handelte es sich um Gegenüberstellung dreier äußerst unterschiedlichen Designkonzepte.

Auf der einen Seite war das Modelabel NPD nach Berlin gekommen, um seine vom Faschismus inspirierten Klassiker vorzuführen: Eiserne Kreuze, morbide Motiv-T-Shirts und Frakturschrift waren allenthalb zu sehen. Insgesamt dominierten schwarze, düstere Farben, die von den mehrheitlich männlichen Models mit grimmiger Ernsthaftigkeit getragen wurden. Das Modelabel setzte einmal mehr offensichtlich auf den Retrocharme seiner Entwürfe, deren zur Schau gestellte Maskulinität allerdings nur wenig überzeugen konnte. Gerade die vielen modisch unpassenden Sonnenbrillen trübten den Eindruck des selbstbewußten Faschisten.

Dem gegenüber hatte sich eine sehr uneinheitliche Gruppe lokaler Modefreunde zusammengefunden, die eine Vielzahl an Entwürfen vorführten. Einheitliches Erkennungsmerkmal der Gruppe war die schlapprige Jeans, sowie der alternative Haarschnitt. Auch der Hoodie wurde als Klassiker gerne gezeigt, das nonchalant getragene T-Shirt mit authentischen Löchern war ebenfalls oft zu sehen. Gerade hierbei zeigte sich die Liebe zum Detail: Im Gegensatz zu den anderen beiden Gruppen hatte die lokalen Modefreunde auf Stoffe aus jahrelanger Eigenproduktion gesetzt, die durch Verfärbungen, Flecken und eben Löcher als Liebhaberobjekte zu erkennen waren. Einige Modefreunde fügten in einer Performance mit der Polizei vor, wie der selbstbewußten Modeschöpfer von heute zu seinem handgemachten „stone washed“-Look kommt.

Ganz großer Verlierer war allerdings der modische Auftritt der Polizei: Man konnte erkennen, dass die Designer sich Mühe gegeben hatten, durch Einheitlichkeit einen dominanten Gesamteindruck zu schaffen. Doch trotz des ambitionierten Konzeptes, mangelte es wohl an den Umsetzungsmöglichkeiten. Neben dem dominierendem Dunkelblau gab es auch vielfach häßliches Grün zu sehen. Viel verstörender war allerdings das Neongelb einiger Polizeiwesten, mit der verwirrenden Aufschrift „Anti Konflikt Team“, die sie zu blauen Hemden, schwarzen Schirmmützen und Schußwaffen getragen wurden. Diese Kombination kann man wohlwollend als gewagt interpretieren.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s