Noch einen Snowden, bitte!

Max Liebermann - Restaurant De oude Vink (Quelle: Wikipaintings)

Er hatte sich gerade mit seinen Fraktionskollegen an den freien Tisch in dem Berliner Pizzeria gesetzt, als der Erste vorbeikam: „‚Tschuldigung. Hallo! Ich verkauf‘ die Straßenzeitung. Wir haben einen Artikel über Snowden drinnen, der sie sicherlich interessiert.“ Hastig schickten sie den Mann weiter. Doch das war erst der Anfang.

Einige Minuten später brachte ein Kellner mehrere Cocktails vorbei. „Sie sind die Abgeordneten der CDU, ja! Diese Cocktails wurden für sie bestellt, es handelt sich um den von uns selber kreierten Snowden.“

Er griff sofort ein. „Hören Sie mal, was soll denn das? Wir wollen ihren Snowden nicht. Wer hat das überhaupt veranlaßt?“

Der Kellner nickte in Richtung der Terrasse. „Das waren die Damen und Herren von den Bündnisgrünen, dort drüben. Sie wollten mit dem Snowden schöne Grüße…“

„Nein, nehmen sie das sofort wieder mit. Wir wollen keinen Snowden!“

„Das geht aber auf deren Kosten…“

„Nein, nehmen Sie das sofort wieder mit!“

Sein Fraktionskollege aus dem Hessischen, der bereits einen guten Schluck von dem Cocktail genommen hatte, warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, setze sein Glas aber wieder ab und ließ es den Kellner – ebenso wie alle anderen – wieder mitnehmen.

Danach wurde als nächstes Spaghetti à la Snowden serviert, darauf folgte eine Pizza Snowden, extra scharf. Beim Snowden-Panna Cotta bekam der Kollege aus Dresden einen Anfall und schrie in dem Lokal herum, während die Abgeordneten der Grünen sich auf der Terrasse prächtig amüsierten.

„Nicht provozieren lassen!“ riet er seinen Kollegen. „Bloß nicht provozieren lassen!“ Er warf einen finsteren, verkniffenen Blick zu den grinsenden Parlamentariern jenseits der Scheibe. „Genau das wollen die doch.“

Dennoch verließen sie fluchtartig die Pizzeria durch den Hinterausgang nachdem ein Verkäufer von Snowden-Rosen an ihren Tisch getreten war.

Der gemeinsame Absacker wurde abgesagt und man trennte sich mit grimmigem Gefühl im Magen.

Es war gegen 22:49 als es bei ihm an der Wohnungstür klingelte. Zuerst wollte er nicht aufmachen, aber dann siegte seine Neugier.

Er riss die Tür auf und die junge Dame, die ihm gegenüberstand, verstand ihren Einsatz und riss ebenfalls ihren langen Mantel auf, um ihm zu zeigen, dass sie außer Dessous nichts darunter trug. „Hiiii!“ säuselte sie. „Ich wurde hierher bestellt, weil Du mir Deinen Riesen-Snowden zeigen willst?“

Er starrte ihr für ein paar Sekunden einfach nur auf den Spitzen-BH. „Nein, ich… bin verheiratet, meine Frau ist im Wahlkreis, dass heißt in…,“ stammelte er zusammen. Dann packte er sie am Arm und zog sie hastig durch die Tür. „Also gut. Ich zeig Dir meinen Snowden. Aber niemand darf davon erfahren!“ zischte er ihr zu. Er sah noch einmal zur Tür hinaus, um sicher zu gehen, dass ihn auch niemand beobachtete, außer denen die das auch tun sollten.

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