Die Qualität des Urlaubsfotos nimmt weiter ab

Joaquín Sorolla -  The Photographer Christian Franzen (Quelle: Wikimedia Commons)

Es wird immer schwieriger an qualitativ hochwertige Urlaubsfotos zu gelangen. Dies mußten schon viele Urlauber nach ihrer Rückkehr in die Heimat feststellen: Auf keinem ihrer Bilder ist irgendetwas inhaltlich sinnvolles zu sehen. Nun bestätigt auch die Wissenschaft diesen Trend. Das Deutsche Institut für Gelegenheitsfotografie (DIGF) hat in einer Langzeitstudie festgestellt, dass die Qualität der Urlaubsbilder tatsächlich abgenommen hat und hat eine Warnung ausgesprochen.-

„Die Ära der Urlaubsfotografie beginnt eigentlich erst so richtig in die 50ern,“ führt Prof. Dr. Mechthild Krönauss aus. „Erst in den 50ern wurden kleine, handliche Fotoapparate günstig genug, um eine weite Verbreitung zu erlangen.“ In den darauffolgenden Jahrzehnten stieg die Qualität dann immer weiter, nachdem sich das Bewußtsein im Umgang mit der Fotokamera weiter verbreitete. „Vor allem durch Eltern, die ihren Kindern zeigten, wie man Schnappschüsse macht“, erklärt Prof Krönauss.

Die Urlaubsfotografie erlangte in den späten 60ern einen qualitativen Höhepunkt, der vor allem aufgrund billiger Verfahren der 70er teilweise zunichte gemacht wurde. „Polaroids, ganz schrecklich,“ kommentiert Prof. Krönauss dies mit einem Kopfschütteln. Doch die Fotografie sollte sich auch davon wieder erholen. Erst mit dem Einzug der Digitalfotografie kam es wieder zu einem Wandel. Durch die bloße Masse der gemachten Aufnahmen kam es zu einer Verschiebung von Qualität gegenüber der Quantität.

Doch erst seit der Verbreitung von Kameras in Mobiltelefonen und dem Selfie-Trend sieht das Institut einen dauerhaften Schaden für die Urlaubsfotografie. „Früher nahm das Urlaubsmotiv bis zu 97,2% der Bildfläche ein. Heute sind es durchschnittlich nur noch 34,6%. Stattdessen hält irgendeine Gruppe von sonnenverbrannte Reisepartnerinnen oder ein dauerbesoffener Pauschaltourist sein Gesicht in die Kamera. Da bleibt kein Platz mehr für das eigentlich Motiv übrig,“ erklärt Prof. Krönauss.

Auch in den sozialen Medien führt dies zunehmend für Verwirrung, weil niemand mehr das Reiseland erkennen kann. „Doch viel schlimmer ist daraus resultierende Verfall des soziale Ausstausches über den Urlaubsschnappschuss,“ führt die Institutsleiterin aus. „Statt sich über das Land und seine Sehenswürdigkeiten zu unterhalten, können die Betrachter auf den Bildern nichts mehr erkennen, außer den bereits bekannten Gesichtern von Freunden und Familie. Damit erstirbt ein kommunikativer Impuls und letztendlich eine wichtige Kulturpraxis.“

Das Institut versucht nun diesem Trend etwas entgegen zu setzen: Während dieser Urlaubsperiode bereits soll an den großen Deutschen Flughäfen Flyer verteilt werden, die für die Reisenden ein Bewußtsein über den schlechten Zustand der Urlaubsfotografie schaffen sollen. „Wir möchte, dass die Reisenden sich ihrer Verantwortung bewußt sind,“ sagt Prof. Krönauss. „Niemand soll sagen können, dass er nichts davon gewußt hatte, wenn hier eine kulturelle Leistung durch das verantwortungslose Verhalten von Touristen zugrunde gerichtet wird.“

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