Die Kah

T.C. Steele - Tennessee Scene/Cows on the Meadows (Quelle: Wikiart)

Manfred Egger ist ein Visionär. In Momenten in denen er sich mit dem Scheitern seiner unternehmerischen Investitionen auseinander setzen muß, würde er selbstkritisch hinzufügen, dass er ein unverstandener Visionär sei. Selten zuvor fühlte er sich allerdings so unverstanden wie in den letzten Monaten. Die Frage, die ihn beschäftigt: „Warum will niemand die Kah?“ Beim Interview hebt er in diesem Moment hoffnungslos die Arme. Es wirkt beinahe verzweifelt.

In Manfred Eggers Büro ist alles ordentlich aufgeräumt. Der Biologe und Agrarunternehmen liebt es, wenn Dinge ihren Platz haben. Dabei ist er sich allerdings nicht zu schade, sein Büro (wie auch seine Geschäfte) immer wieder umzustellen. „Das fördert die Kreativität,“ schwört er. Eigentlich wäre dafür wieder einmal Zeit, doch Manfred Egger kommt nicht dazu. „Wir müssen irgendwie die Kah am Markt platzieren.“

Eggers neuste Unternehmung begann bereits vor mehr als 5 Jahren. Am Reißbrett hatten Eggers Analysten die Veränderungen der Konsumgewohnheiten in Deutschland skizziert und Egger hatte eine eindeutige Marktlücke erkannt: Guter Milchkaffee! Er sollte recht behalten: Der Kaffee ist des Deutschen liebstes Getränk und vor allem der Kaffee mit Milch ist beliebt wie nie zuvor.

Also setzten sich Egger und seine Leute an ihre Schreibtische und planten ihr bisher ambitioniertestes Produkt: Die Kah! Doch selbst heute, wo die Kah auf Eggers Versuchsfeldern steht, bleibt der wirtschaftliche Erfolg aus. Dabei hatten Eggers und seine Kollegen alles richtig gemacht: Nie zuvor wurde Milchkaffee so umweltschonend und qualitativ hochwertig produziert. Ja, selbst der Preis ist konkurrenzfähig. „Aber trotzdem will niemand unseren Milchkaffee,“ seufzt Egger.

Nun sitzt Egger auf mehr als 100 Hektolitern bestem Milchkaffee, die seine Kahe tagtäglich produzieren. „Wir können sie ja nicht einfach abstellen. Wie jede Kuh auch muß die Kah tagtäglich gemolken werden.“ Zwar entstehen dem Agrarunternehmer weniger Kosten, da die Kah viel weniger Nahrung benötigt als eine Kuh. Dafür sorgt die Photosynthese, die die Kah mit ihrem grünen Fell betreibt. So werden Weidekosten gespart. Dennoch tut es Egger in der Seele weh den größten Teil seines Milchkaffees zu entsorgen: „Wir selber verbrauchen davon was wir können. Wir verschenken ihn sogar. Aber das ist natürlich nur ein Bruchteil unserer Produktion.“

Dies sind die Momente in denen Manfred Egger kurz davor ist zu resignieren. Doch letztendlich will er sich nicht geschlagen geben. „Davor schützt mich mein unternehmerischer Ehrgeiz,“ erklärt er. „Ich habe einen großen Teil meines eigenen Vermögens in die Kreuzung von Kuh und Kaffeebohne investiert. Aber nicht nur deshalb liegt mir die Kah am Herzen, sie ist ein Herzensprojekt. Wenn ich sehe wie eine unserer Kahe sich über die Weide rankt, und unter ihrem grünen Fell die mit besten Milchkaffee prall gefüllten Euterbohnen hervorgucken, dann erfüllt mich das mit Stolz.“ Nur ein Bedauern hat er dann noch: „Nun, sie muht nicht. Aber vielleicht kriegen wir das bei der nächsten Kreuzung auch noch irgendwie hin.“

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3 Antworten zu Die Kah

  1. Frau Körb schreibt:

    Sehr geehrte Pausenversorgungsverantwortliche,
    da ich unabhängig von Ihrem ergreifenden Bericht ebenfalls gerade dem Kaffee Sorge trage, wäre es mir eine große Ehre, Sie mit dem von mir gestarteten Spendenaufruf zu verbinden. Mental darf ich im Namen meiner gesamten Leserschaft Herrn Egger meine ungeteilte Unterstützung zusagen. Leser aus dem slawischen Raum haben angemerkt, dass eine wöchentliche Wässerung der Kahe mit reinem Wodka zu deutlichen Geschmacksverbesserungen führen kann und sich damit auch eine produktive Expansion in den Osten ergeben kann.
    Mit herzlichen Grüßen
    Frau Körb

    • kaminkatze schreibt:

      Sehr geehrte Frau Körb,

      Vielen Dank für ihre aufmunternden Worte. Wir werden ihren Vorschlag werden wir natürlich sehr gerne an Herrn Egger weiterleiten. Nach unserem Kenntnisstand hatte er eine ähnliche Idee, hatte allerdings deswegen bei einer irischen Whiskey-Destille angefragt. Derzeit scheinen wohl Kreuzungsversuchen zwischen der Kah und der Whiskeypflanze stattzufinden. Herrn Eggers unternehmerische Anstrengungen bleiben also weiterhin spannend.

  2. Pingback: Sondermeldung | Frau Körb

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