Das Eis und die Dunkelheit

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„Philae, Philiae?“ Langsam begann sich Rosetta Sorgen zu machen. „Philae, bist Du noch da?“ Sorgfältig hörte Rosetta in den dunklen Weltraum hinein, während sie ihre Runden um 67P/Tschurjumow-Gerassimenko flog. Sie kannte den Kometen inzwischen gut. Seine hellen Hügel waren ihr ebenso vertraut wie seine dunklen Täler. Rosetta war ängstlich zusammengezuckt als sie gesehen hatte, wie der kleine, mutige Komentenlander Philae in solch einem dunklen Schatten verschwunden war. Doch vor allem hatte Rosetta sich Sorgen gemacht, weil sie gesehen hatte, wie Philae bei der Landung herumgetaumelt war. Rosetta war erleichtert gewesen, als Philae doch noch Halt gefunden hatte, erst dann hatte sie bemerkt, wie dunkel und kalt es an der Stelle war an der Philae zur Ruhe kam. „Paß auf!“ hatte sie noch gerufen.

„Alles super! Alles super,“ hatte Philae aufgeregt gezwitschert. „Ich stehe! Ich stehe!“ Und dann hatte der kleine Landeroboter gelacht. „Ich bin auf einem Kometen gelandet.“

„Das hast Du super gemacht, Philae. Du bist wirklich gelandet.“

„Schau mich an! Ich wirklich auf einem Koment. Das hat vor mir noch keiner geschafft.“

„Super, Philae. Es ist bloß etwas dunkel, wo Du stehst.“

„Ach was, dass ist total einfach ab hier. Ich stehe ja.“

Rosetta hatte gelächelt und sich für eine weitere Runde in der Umlaufbahn um den Kometen verabschiedet. Sie winkte Philae zu, dann verschwand der kleine, winkende, stolze Roboter auf dem Kometen hinter dem Horizont.

Die ganze Umrundung lang hatte sich Rosetta Sorgen gemacht. Nun war sollte sie eigentlich Philea wieder hören können…

„Philae? Philae?“ fragte sie vorsichtig. Sie versuchte die Angst in ihrer Stimme zu unterdrücken.

Doch die Antwort war nur Stille. Dann… ganz schwach, hörte sie Philae’s Stimme, sie war fast zu leise.

„Ich… bin hier. Etwas schwach…“

„Philae, das ist die Dunkelheit und die Kälte. Du solltest Deine Energiereserven schonen.“

„Ach was, Rosetta! Du machst Dir… zuviele Sorgen… Ich bin doch schließlich…“

Rossetta mußte sich anstrengen, um überhaupt noch etwas zu verstehen. Philaes Worte waren nur noch ein feines Wispern, irgendwo dort unten in der Dunkelheit von 67P/Tschurjumow-Gerassimenko…

„Ich bin doch schließlich auf einem Kometen gelandet…“ flüsterte Philae.

„Ja, Philea,“ sagte Rosetta und presste ihre Sonnensegel ganz eng zusammen. „Ja, Philea, Du bist auf einem Kometen gelandet!“ Rosetta wollte etwas sagen, aber sie wußte nicht was. Als sie bemerkte, dass sie zu lange geschwiegen hatte, sagte sie schnell „Philea, bist Du noch da?“, bloß damit keine Stille herrschte. Die Stille war das schlimmste.

„Ja…“ hauchte es von unten, dort wo dunkles Eis und Milliarden Jahre alter Staub das lebensspendende Licht der Sonne verschlangen. „Und Du?“

„Ich bin noch da, Philea. Ich bin doch immer für Dich da, Philea. Das weißt Du doch. Ich verlaß Dich nicht. Wir haben doch soviel zusammen durchgemacht. Sind so weit gereist.“

Und Rosetta drehte jeder ihrer Antennen in Richtung des Kometen, um auf das langsam ersterbende Funksignal zu achten, dass von unten kam. „Wir sind so weit gereist. Da werde ich Dich doch jetzt nicht alleine lassen. Den Rest werden wir auch noch zusammen schaffen…“

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