Vergessliche Weihnachten Teil 2

Andras Marko - A Brisk Reindeer Sleigh Ride

„Ich kann mich nicht recht erinnern, wie ich auf Euer Dach gekommen bin,“ stellte das Rentier fest, nachdem es für einige Minuten scharf nachgedacht und dabei Grimassen geschnitten hatte.

„Du leidest an Gedächtnisverlust,“ erklärte Leilah ihm. „Oder weißt Du noch wie Du heißt?“

„Wie ich heiße?“ Das Rentier geriet wieder ins Grübeln. „Das ist eine gute Frage…“

„Eindeutig Amnesie,“ stellte Mutter fest, die inzwischen den Tisch deckte. „Aber wie sollen wir Dich denn nun nennen?“

„Weihnachtsmann!“ rief Sophia begeistert.

„Nein, ich glaube nicht, dass das der passende Name ist,“ sagte Vater, der in der Küche am Herd stand.

„Wir können Dich Annie nennen, weil Du Amnesie hast,“ meinte Leilah.

„Das ist ein guter Vorschlag. Das gefällt mir,“ antwortete das Rentier.

„Nun gut, Annie, dann komm mal an den Tisch! Denn es gibt Abendessen. Leilah und Sophia, ihr auch!“ sagte Vater und setzte die große Schüssel auf den Tisch.

„Hmmm, das riecht lecker,“ meinte Annie.

„Das ist aber nicht für Rentiere,“ meine Leilah. „Das ist Gulasch. Das fressen Rentiere nicht.“

„Nein? Was fressen Rentiere denn?“ fragte Annie.

„Weihnachtsmann!“ rief Sophia begeistert.

„Nein, Rentiere fressen nicht den Weihnachtsmann,“ korrigierte Vater. „Das wäre ja schrecklich, wenn der Weihnachtsmann sich vor gefräßigen Rentieren schützen müßte.“

Leilah dachte scharf nach. „Ich glaube Heu und Gras und so.“

„Du kannst ja etwas von unserem Salat haben,“ sagte Mutter und schob Annie die Schüssel rüber.

Den Rest des Abendessens verbrachte Annie mit ihren Nüstern in der Salatschüssel, sehr zur Freude von Leilah und Sophia, für die kein Salat mehr übrig blieb.

Als es ans Zu-Bett-Gehen ging, folgte Annie Leilah dorthin.

„Annie, Rentiere schlafen nicht im Bett.“

„Nicht?“ fragte das Rentier völlig überrascht.

„Nein,“ lachte Leilah. „Sie schlafen im Freien.“

„Aber wir können Annie unmöglich im Freien übernachten lassen,“ sagte Vater und nahm einen weiteren Schluck von seinem flüssigen Betthupferl. „Wer weiß, jemand könnte sie in der Nacht überfallen.“

„Weihnachtsmann!“ rief Sophia.

„Nein,“ erklärte Mutter. „Der Weihnachtsmann hat letztens nachts niemanden mehr überfallen.“

„Wir brauchen einen Stall für Annie,“ sagte Leilah.

„Wir können ja im Wohnzimmer das Zelt aufbauen,“ meine Vater.

„Das hört sich gut an. Ich wollte schon immer mal Campen gehen,“ stimmte Annie begeistert zu.

Wenig später war das runde, vom letzten Gartenurlaub noch etwas verstaubte Zelt im Wohnzimmer aufgebaut. Aus seinem Inneren leuchtete eine kleine Lampe durch das helle Tuch und erhellte den Raum in sanftem Licht, während Annie versuchte mit ihrem Geweih im Zelt unterzukommen.

„Gute Nacht, Annie,“ sagte Leilah.

„Gute Nacht, Leilah,“ wünschte Annie, während ihr Geweih ein weiteres Loch in das Zelttuch riss.

Wird fortgesetzt…

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