Vergessliche Weihnachten Teil 5

Ilya Repin - A soldier (Quelle: Wikiart)

„Sophia hat recht,“ sagte Mutter knapp. Als Beweis zog sie eine Weihnachtsmannmütze aus der Tasche des Toten. „Das ist… war der Weihnachtsmann,“ korrigierte sie.

„Ich glaube ich brauche einen Schluck,“ sagte Vater. Doch bevor er in die Küche gehen konnte, hielt in Mutter ihn an seinem Pullover fest.

„Schatz, ich weiß dass das schwer für Dich ist, aber Dich. Wir brauchen Deine Fähigkeiten, aus Afghanistan.“

„Aber ich war nur Unterfeldwebel, für die Leichen waren die…“

Mutter legte ihm einen Finger auf die Lippen. „Schatz, die Kinder…“

„Papa?“ fragte Sophia, die ihn mit großen Augen daneben stand.

„Genau, Papa!“ bestätigte Leilah. „Das ist Dein Einsatz.“

„Mein Einsatz,“ wiederholte Vater tonlos. Er straffte sich. „Mein Einsatz.“ Er nickte. „Mein Einsatz!“

„Ich hole Deine alte Uniform,“ rief Leilah und rannte zum Kleiderschrank.

„Sehr gut.“ Mutter nickte. „Und Du…“ Sie zeigte auf Annie.

Das Rentier zuckte zusammen. „Bitte nicht notschlachten!“ rief Annie, die immer noch ganz verängstigt war.

„Ach was.“ Mutter warf dem Rentier das Smartphone des toten Weihnachtsmann zu. „Du verstehst mehr von seinem Geschäft als wir alle zusammen. Du wirst ihn ersetzen.“

„Ich… Aber ich habe Amnesie…“

„Das geht vorüber.“ Mutter setzte Annie die Mütze auf und sah sie an. „Nun ja, vielleicht mit Bart…“

Leilah hatte inzwischen ihrem Vater die Uniform gebracht, die er sich überstreifte. „Das ist ein Kampfeinsatz,“ murmelte er vor sich hin. „Wir sind im Krieg. Dies ist eine humanitärer Mission. Weihnachten wird am Hindukusch verteidigt.“

„Papa?“ fragte Sophia als sie ihren Vater in Tarnfarben sah, der sich inzwischen sein Gesicht mit grün einfärbte.

Leilah half dann ihrer Mutter den Bart des toten Weihnachtsmannes abzuschneiden und gemeinsam befestigten sie ihn im Gesicht einer zitternden Annie.

„Paßt, wackelt und hat Luft,“ stellte Mutter nach abgeschlossener Arbeit fest.

Annie trug inzwischen nicht nur Mütze, sondern auch Bart und Mutters alten roten Bademantel. Sie sah aus wie ein Rentier mit Mütze, Bart und rotem Bademantel.

„Naja, also ich weiß nicht,“ meinte Leilah.

„Wir müssen Kompromisse machen,“ stellte Mutter kühl fest. „Außerdem achtet sowieso niemanden auf den Weihnachtsmann solange er bloß Geschenke bringt.“

„Und was soll ich jetzt machen?“ fragte Annie.

„Du wirst die Rolle des Weihnachtsmanns übernehmen.“

„Aber ich erinnere mich noch immer nicht daran,“ antwortete Annie eingeschüchtert. „Ich weiß garnicht wie das geht. Weihnachtsmann sein“

„Das mußt Du auch nicht.“ Mutter begann zu lächeln. „Das übernehmen Deine Kollegen.“

„Eins-zwo. Eins-zwo.“ Im Hintergrund zog Vater den toten, inzwischen rasierten Weihnachtsmann zur Wohnungstür heraus. „Ich entsorge ihn,“ sagte er als er in der Tür stand. „Irgendwo wird sich sicherlich eine Mine finden, die mit unserem Freund hochgehen kann. Falls ich in zwei Stunden nicht zurück bin, beginnt mit dem Luftschlag.“ Dann warf er die Tür zu.

„Papa?“ fragte Sophia.

Wird fortgesetzt…

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