Vergessliche Weihnachten Teil 6

Joseph Wright - Firework Display at the Castel Sant' Angelo in Rome (Quelle: Wikiart)

Mutter schlug die Tür zu dem Transporter des toten Weihnachtsmannes zu, den sie zu seiner Firma gefahren waren.

Vor ihnen war der Eingang, darauf stand: „W. Mann – Logistik“.

Sophia saß auf ihrer Schulter, Leilah war an ihrer Hand und neben ihr Stand Annie, in einem roten Bademantel, eine Weihnachtsmütze auf dem Kopf und der Bart des Weihnachtsmannes um den Hals. Ihre Augen waren groß.

„Kannst Du Dich erinnern?“ fragte Leilah.

„Ja, ich erinnere mich…“ flüsterte Annie und dabei war sie so blaß, wie ein Rentier im Gesicht nur blaß werden konnte.

„Los!“ rief Sophia.

Mutter nickte. „Ja, dann los…“ Sie riß die Tür auf.

Der Gang war dunkel und stinkig.

Annie zitterte und Leilah nahm ihre Hufe.

Sie kamen durch eine Sicherheitsschleuse und dann standen sie in einer riesigen Lagerhalle. Abgemagerte Rentiere mit Boxen rannten pausenlos zwischen Regalen hin und her. Sie rissen Produkte aus den Regalen hervor und stürzten dann weiter, um sie am anderen Ende der Halle verpacken zu lassen.

Eines der Rentiere blieb stehen und starrte Annie an. „35427?“ fragte es ungläubig. „Ich dachte Du wurdest terminiert?“

„Das ist Annie,“ korrigierte Leilah. „Und sie ist hier um den Weihnachtsmann zu ersetzen.“ Sie zog an Annies Hand, die starr neben ihr stand.

„Ja… ja!“ stammelte Annie. „Genau!“

Mutter räusperte sich. „Alle mal herhören!“ rief sie laut.

Die Rentiere stoppten und sahen Mutter mit blutunterlaufenen Augen an.

„Ab heute wird alles anders. Euer Chef ist nicht mehr. Seine Lager, seine Firma ist ab jetzt Eure. Ihr seid jetzt eine Kooperative. Für’s erste wird Annie den Weihnachtsmann vertreten. Das ist eine Übergangslösung. Den Rest handelt ihr nach den Feiertagen selber aus.“

Die blutunterlaufenen Augen der Rentiere starrten Mutter an.

Dann rief Leilah „Der Weihnachtsmann ist tot.“ und im ganzen Saal brach Jubel aus.

Die Rentiere fielen sich in die Arme. Sie warfen Paketwolle in die Luft und aus dem Lautsprechern schallte plötzlich Rock’n Roll.

„So erinnere ich mich garnicht daran,“ sagte Annie und versuchte mit ihrer Hufe eine Träne aus ihrem Auge zu wischen, was ihr nicht recht gelingen wollte.

„Chef! Chef!“ rief ein Rentier zu Annie. „Was ist mit Pausen? Haben wir jetzt Pausen?“

„Ich… Also… Pausen?“ Für einen Moment war sie still.

„Los!“ sagte Sophia.

„Soviele Pausen wie ihr wollt!“ rief Annie.

Und ein weiteres Mal Jubel im Saal aus.

„Und keine Terminierungen mehr!“ rief Annie hinterher und der Jubel wurde noch lauter.

Mutter drückte Leilahs Hand fester und atmete durch. „Kommt. Annie schafft das ab jetzt ohne uns!“

Einige der Rentiere kamen und trugen Annie davon, wobei sie freudig mit ihren Geweihen wackelten und laut blökten, was wohl Rentiergesänge waren. Währenddessen verließen Leilah, Sophia und Mutter die Halle.

Sie fuhren mit dem gestohlenen Transporter zurück. Es war dunkel.

Doch dann explodierte etwas in der Ferne und mit einem Mal brach ein Feuerwerk am Himmel aus. Fontänen und Lichter schoßen in den Himmel.

Mutter hielt den Wagen an und sie starrten gemeinsam hinauf. Auf den Scheiben des Wagens schillerten die bunten Leuchteffekte.

Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Vater setzte sich in den Wagen. Er trug immer noch seine alte Uniform. „Ich habe keine Minen gefunden. Aber da war eine größere Menge Sprengstoffe,“ sagte er.

„Super, Papa!“ sagte Leilah.

Mutter lächelte.

Vater sah Leilah, Sophia und Mutter an. Dann lächelte er auch etwas.

„Los,“ sagte Sophia.

Mutter startete den Wagen und gemeinsam fuhren sie in die raketen-erhellten Nacht hinaus.

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