Das Deutsche Amt für Distanzierung

Jean-Leon Gerome - Interior of a Mosque (Quelle: Wikiart)

Gerade in diesen Tagen werden wieder von allen Seiten Distanzierungen gefordert. Doch wie macht man eine Distanzierung richtig? Wann ist eine Distanzierung eigentlich ausreichend? Bei diesem Fragen steht Verantwortungsträgern das Deutsche Amt für Distanzierung (DAD) zur Seite.

„Es ist für mich wirklich eine große Erleichterung,“ sagt etwa Imam Ismael Qasim Abidoun. Obwohl der moslemische Geistliche bereits seit über 6 Jahren in Deutschland lebt, sagt er selber immer wieder, dass es ihm manchmal noch mit Erfahrungen mit Deutschen Traditionen fehlt. „Von Distanzierungen wußte ich eigentlich kaum etwas. Aber Allah sei dank ist das Amt selber auf mich zugekommen und hat mich darauf hingewiesen.“

Jetzt gerade in diesem Moment bedeutet das, dass der sächsische Distanzierung-Bezirksamtsleiter Kroppnik mit Imam Abidoun in der hereinbrechenden, stürmisch-regnerischen Dunkelheit steht und ihm Anweisungen gibt: „Noch ein paar Meter weiter zurück,“ dirigiert er den Imam, der den Anweisungen folgt und nun direkt am Bordstein einer großen Durchfahrtsstraße steht. Sofort darauf macht sich ein weiterer Distanzierungs-Bezirksmitarbeiter daran die zurückgelegte Strecke auszumessen.

Kroppnik erklärt seine Aufgabe: „Distanzierungen haben eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Das kann man nicht dem Zufall überlassen. Deswegen sind wir dazu da Leute wie Herrn Abidoun auf die Notwendigkeit einer Distanzierung hinzuweisen und dann genau zu erfassen, ob das alles auch seine Richtigkeit hat.“

„Es ist wirklich toll,“ sagt Imam Abidoun. „Die freundlichen Herren vom Amt kamen bei mir persönlich vorbei und erklärten mir alles.“ Der Imam steht etwas unsicher auf der Bordsteinkante. Immer wenn ein Auto auf der Straße hinter ihm vorbeidonnert, zerrt sie an seinem Wintermantel, der ihm vor der kalten Näße dieses sehr Deutschen Wintertages schützen soll. „Die Deutschen sind wirklich so hilfsbereit,“ fügt der Imam hinzu, der vor einigen Jahren seine Heimat, den kriegsversehrten Irak, verlassen mußte und nun einer kleinen Gemeinde vorsteht.

Inzwischen wird es unruhig. Das Ergebnis der Distanzvermessung liegt vor. „Reicht noch nicht,“ stellt Kroppnik nach einem kurzen Blick auf das Formular seines Mitarbeiters fest. „Herr Abidoun, bitte gehen Sie noch ein paar Schritte weiter zurück“, ruft Kroppnik dem Imam zu. „Auf die Straße?“ fragt dieser unsicher. „Na, es kommt ja gerade nix,“ antwortet Kroppnik mit einem Schulterzucken und Abidoun folgt der Anweisung.

„Gerade in dieser Zeit haben wir sehr viel zu tun,“ erklärt Kroppnik während die Vermessung erneut beginnt. „Es gibt jede Menge Leute da draußen, die immer wieder sagen ‚Der Soundso hat sich aber nicht distanziert.‘ Dann kommt unser Amt ins Spiel. Dann sagen wir ‚Doch! Der hat sich distanziert! Und zwar um soundsoviel Meter.‘ Da gibt es dann gar keine Zweifel…“

In diesem Moment ertönt ein Schrei von der Fahrbahn her, als Imam Abidoun von einem 7,5-Tonner erfaßt wird, der gerade maghrebinische Importorangen Richtung Dresden transportiert. Für einen Moment ist alles ganz still.

„Mist,“ sagt Bezirksamtsleiter Kroppnik schließlich. „Jetzt wird das nichts mehr mit der Distanzierung.“

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