Das Museum der Häßlichkeiten

David Teniers the Younger - The Archduke Leopold Wilhelm in his Picture Gallery in Brussels (Quelle: Wikiart)

Sabine Herford ist stolz auf ihr Lebenswerk: „Wir haben lange daran gearbeitet, aber nun ist es endlich Wirklichkeit geworden.“ Wo früher nur die Diktatur der Ästhetik herrschte und der Kanon der Kultur repräsentiert wurde, findet sich neuerdings ein Eindringling wieder: Das Museum der Häßlichkeiten, dessen Hauptgebäude in einem Industriegebiet an der A3 liegt, nicht unweit einer Mülldeponie. Auch dieser Ort ist Teil des Konzepts: „Es war der häßlichste Ort, den wir finden konnten,“ teilt Museumsleiterin Herford mit und kann sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen.

Bereits beim Eintritt in das Museum wird man von einer ausgebleichten Hüpfburg begrüßt, die im Laufe der Jahre eine unsäglich häßliche grün-graue Farbe angenommen hat. Doch es ist vor allem die schiere Größe dieses ersten Exponats, die beeindruckt. Selten türmt sich Plastik zu einer derart amorphen Platzverschwendung auf.

Doch das Museum wird nicht alleine von physisch großen Werken dominiert. Es finden sich darin auch kleine Fundstücke und natürlich die Werk vieler zu Recht vergessener Künstler. So ist etwa einer der Ausstellungsräume den Skulpturen der Bildhauerin Hannelore Schimulka gewidmet. „Eine Künstlerin von unbändiger Energie und ohne einem Quäntchen an Talent,“ erklärt Herford. Daneben finden sich Gemälde des Heimatmalers Heinz Schrobsdorf, dem offensichtlich bereits das Anmischen der Farben schwer fiel. Ein anderes Highlight ist ein Raum mit der Konzeptkunst des chinesisch-amerikanischen Künstlers Kim Quan aus den frühen 1970er. Von Quans damals als visionär erachteten Lebensmittelkreationen sind heute nur noch verschimmelte Reste übrig.

Doch besonders stolz ist Sabine Herford vor allem auch über den Teil des Museums der sich dem modernen Design widmet: „Wir haben hier unter anderem Verpackungen aus Aldi-Läden der frühen 80er. Besucher, die sich daran erinnern können, wird nicht selten bei der bloßen Erinnerung an diese Produkte speiübel.“ Auch billige Fernostkopien sind hier zu finden, wie etwa ein aus 100% Plastik bestehender Schulranzen, der nicht nur unglaublich häßlich ist, sondern auch wegen toxischen Ausdünstungen vom Markt genommen werden mußte.

Das Museum geht allerdings noch einen Schritt weiter. „Wir sind nicht nur ein Museum das Häßlichkeit ausstellt,“ präzisiert Sabine Herford immer wieder. „Unsere Mitarbeiter tragen schlecht sitzende Uniformen aus dem 1980ern und werden nach ihrer Unhöflichkeit ausgewählt. Wir wollen das ein Besuch des Museums bereits vom Beginn an authentisch ist.“ Ich erkundige mich, ob das auch der Grund ist, warum der Parkplatz des Museums eine unbefestigte Schlammwüste 500 Meter vom Museumseingang entfernt ist. Sabine Herford lächelt nur und tritt mir dann gegen das Schienbein.

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