Beim Friseur

Berthe Morisot - The hairdresser (Quelle: Wikiart)

„Ja, es ist etwas länger geworden,“ meinte der Kunde, während Anette versuchte seine Haare etwas aus dem Weg zu räumen.

„Also Haare schneiden?“ fragte sie. Sie war sich selbst bewußt, dass die Frage redundant war, aber die bloße Menge an Haaren auf seinem Kopf irritierte sie.

„Gerne. Ich hätte gerne was modisches.“

„Hmm-hm.“ Anette nickte und versuchte ihre Hände unter den Haaren hervor zu holen, damit sie sich Rasierer und Schere nehmen konnte.

„Vielleicht einen Undercut oder sowas,“ meinte der Kunde.

„Das äh… Das kann etwas länger dauern,“ meinte Anette und warf einen Büschel aus dem Weg.

„Ja, kein Problem.“

Anette versuchte sich erst einmal keine allzu großen Gedanken über die Frisur an sich zu machen. Erst einmal war ging es nur ums Kürzen.

Sie nahm sich den Rasierer und eine Schere, dann atmete sie tief durch und tauchte ab.

Nach etwa 5 Minuten versagte der Rasierer mit einem kläglichen Geräusch, es war der letzte Aufschrei einer geschundenen Maschine, ein panisches Kreischen während die Klingen an Haaren erstickten. Anette biß die Zähne zusammen und nahm sich die Schere.

Der Kunde war inzwischen eingeschlafen.

Nach 20 Minuten begann Anette’s Hand zu schmerzen, die Muskeln hatten sich um das Metall der Schere verkrampft, während Anette versuchte sich einen Weg zu bahnen. Um sie herum flogen die fremden Haare und verfingen sich in ihrer Kleidung und in ihrer eigenen Frisur.

Ganz gleich, wie sehr sie sich vorankämpfte, es schien kein Ende nehmen zu wollen. Um sie herum türmten sich Ballen.


Viel später bewunderte der Kunde sich im Spiegel. „Wow, das ist wirklich… etwas anderes,“ bemerkte er, während er die scharfen Kanten seines Haarschnittes bewunderte und die letzten gegelten Spitze zurechtschob. „Das haben Sie wirklich gut gemacht.“ Er drehte sich zu Anette um.

Der Haarballen unter dem sich Anette verbargt, ruckelte dankbar. „Pfrrrrlm pfffttrrrrff,“ klang es darunter hervor.

„Hier ist ihr Trinkgeld, ich…“ Er starrte den Haarballen an. „Ich lege es einfach hier oben ab,“ sagte er und legte die Scheine auf den Haufen.

„Pppffrrtt prrfffmmm,“ bedankte sich der Haarballen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Alltag abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s