Troll verzweifelt – Niemand nimmt seine Morddrohungen ernst

Chris K. aus G. ist verzweifelt. Über Monate hat er sich mühsam eine neue Identität geschaffen, doch nun muß er feststellen, dass seine Arbeit umsonst war. „Ich bin am Ende,“ sagt er über sich. „Es war für mich ein Ausweg aus meiner Arbeitslosigkeit, endlich gab es wieder einen Sinn in meinem Leben. Aber jetzt wurde er mir auch weggenommen. Ich kann es einfach nicht verstehen…“ Der große schwere Mann ist verzweifelt und am Ende seiner Kräfte.

Chris K.’s Martyrium begann vor ein paar Wochen. Nachdem er sich in mühsamer Kleinarbeit unbeliebt gemacht hatte, immer wieder von diversen Plattformen verbannt worden war, nur um neue innovative Wege zu finden und erneut die Kommentarspalten mit halbgaren Verschwörungstheorien und Beleidigungen zu überschwemmen, hatte er entdeckt, dass es viel befriedigender ist gleich Morddrohungen zu verschicken. Tagelang entwickelte er ausgefeilte Mordfantasien, die er seinen Opfern über Social Media und Email zukommen ließ. „Ich hatte endlich wieder eine Aufgabe,“ faßt Chris K. seine Aussichten begeistert zusammen.

Doch dann kam die für Chris K. so grausame Ernüchterung: Niemand nahm seine Morddrohungen ernst. Eines seiner Opfer, die Journalistin Madeleine Chodowski, meint über Chris K. nur: „Welcher von all den Trollen soll das sein?“ Die Pressesprecherin der Berliner Initiative AICCO, Jacqueline Schönfeld, sagte zum selben Thema: „Mir wurde bereits drei tote Katzen und eine Bombenattrape zugeschickt. Ich habe wirklich keine Zeit mich um jede Morddrohung zu kümmern.“

Das keine seiner Morddrohungen auch nur ein Schaudern in seinen Opfern ausgelöst hat, deprimiert Chris K. ungemein. Wie soll es nun in seinem Leben weitergehen? Auch die Nachricht, dass zumindest die Polizei begonnen hat, sich für seine Onlineaktivitäten zu interessieren, kann Chris K. nicht mehr aufmuntern: „Niemand versteht, wie sehr ich unter dieser Situation leide.“

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3 Antworten zu Troll verzweifelt – Niemand nimmt seine Morddrohungen ernst

  1. Frau Körb schreibt:

    Verehrte Redaktion,
    sollten Sie noch in Kontakt mit Chris K. stehen, hätte ich ein Jobangebot für ihn: ich suche dringend ein menschliches Schutzschild gegen Sofortkommentatoren. Mit seiner Berufserfahrung sollte es ihm ein Leichtes sein, mit Promptofaslern fertig zu werden. Derzeit kann ich ihm als Bezahlung nur Kost anbieten, da ich aber weiter zeilstrebig an Berühmt- und Reichwerden arbeite, sollte die Logis bald nachfolgen.
    Mit Dank und besten Grüßen
    Frau Körb

    • kaminkatze schreibt:

      Sehr geehrte Frau Körb,

      Wir würden sehr gerne einen Kontakt zwischen Ihnen und Chris K. herstellen. Leider müssen wir Ihnen allerdings mitteilen, dass er inzwischen bereits eine neue Aufgabe in seinem Leben gefunden hat: Die Redaktion hat erfahren, dass er inzwischen Wolken anschreit und dies ausgesprochen ernst nimmt. Wir hoffen, dass sie über diese Nachricht nicht allzu enttäuscht sind.

      • Frau Körb schreibt:

        Werte Redaktion,
        es eilt und ich darf Sie dringend ganz kurz zu mir herüber bitten, wir müssen handeln!
        Vielen Dank
        Frau Körb

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