Die schwere Kindheit des Nicolas W.

Johansen Viggo - Happy Christmas (Quelle: Wikimedia Commons)

Bereits sehr früh wurde Nicolas mit „Nervosität“ diagnostiziert. Natürlich waren es damals andere Zeiten und die Eltern versuchten ihr Bestes, doch Nicolas‘ Kindheit sollte niemals eine glückliche sein.

Tatsächlich war er durchaus sehr energiegeladen, ständig hatte er das Bedürfnis etwas zu basteln oder sich zu bewegen. Die Versuche seiner Eltern ihn zu disziplinieren indem sie ihm das Spielzeug wegnahmen und stattdessen beispielsweise dazu verpflichteten Klavierunterricht zu nehmen, waren seinerzeit durchaus übliche Maßnahmen.

Auch Spielkameraden hatte Nicolas nie. Von seinem karg ausgestatteten Zimmer aus konnte er die Kinder von gegenüber spielen sehen. Sie waren für ihn unbekannte, seltsam glückliche Kreaturen. Ihnen zuzusehen wurde eine seiner wenigen Freuden. Nur im Winter war ihm das selten vergönnt, da die Kinder meistens in ihren warmen Elternhäusern blieben, ein Umstand den er immer mit seinem eigenen verglich und deswegen vor allem Mitleid empfand: Was würden sie denn nun tun, wenn sie – wie er – nicht spielen konnten?

Seine Versuche durch den Kamin aus seinem Zimmer zu fliehen, um sich anderen Kindern beim Spielen anzuschließen, scheiterten allerdings jedes Mal. Sein Vater mußte den schwer hustenden, vollständig verrußten Jungen befreien.

Natürlich wurde er zuhause unterrichtet und besuchte niemals eine Schule. Dies war nicht nur aufgrund besagter „Nervosität“, sondern vor allem auch dem Standesbewußtsein seiner Eltern geschuldet, die ihn auf seine Karriere als Nachfolger seines Vaters vorbereiten wollten.

Doch bereits bei seinem ersten Besuch ihm väterlichen Stahlwerk machte Nicolas klar, dass er kein Interesse am Familiengeschäft hatte: Er wollte lieber Spielzeug herstellen, statt Stahl und sonstige Eisenwaren.

Dies fand natürlich alles andere als die Zustimmung seiner Eltern. Ihre Reaktion war harsch und Nicolas – der trotz allem ein empfindliches Kind war – reagierte mit einer Krise, wie seine Eltern sie noch nicht gesehen hatten.

Er wurde in eine Anstalt eingewiesen und obwohl heute nicht mehr nachvollziehbar war, was ihm dort angetan wurde, diese Zeit ist nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Es war für niemanden überraschend, dass er später ein Exzentriker sein würde.

Nach dem unerwarteten Unfalltod seiner Eltern kam er wieder nach Hause. Irgendjemand mußte das Erbe antreten. Allerdings flößte Nicolas‘ Gerede von einer Reise zum Nordpol niemandem Vertrauen ein. Da konnte man sich schon eher mit der Spielzeugproduktion anfreunden, die Nicolas nun umsetzte.

Doch über die Jahre verwahrloste Nicolas immer mehr. Er ließ sich einen wilden Bart wachsen, sein Gewicht schien außer Kontrolle zu geraten, er trug nur noch einen roten Bademantel und wenn man ihn auf seinen Zustand ansprach, dann machte er merkwürdige Andeutungen von Experimenten, die er durchführte. Irgendetwas mit fliegenden Schlitten.

Obwohl es über viele Jahre gut zu gehen schien, war es dennoch überraschend als der vorzeitig gealterte Nicolas schlagartig verschwand. Er ließ nur eine Botschaft zurück, dass er zu seiner lange geplanten Reise zum Nordpol aufgebrochen war. Obwohl eine Suche eingeleitet wurde, ließ er sich keine Spur von ihm finden. Mit ihm waren allerdings auch nicht unbeträchtliche Summen und ein Teil der Fertigungsanlagen verschwunden. Es war ein Rätsel.

Alle Jahre wieder wird berichtet, dass Nicolas gesehen wurde. Man kann sich dabei nicht ganz sicher sein, aber Kinder schwören darauf ihm begegnet zu sein und zeigen freudig grinsend Spielzeug vor, dass er ihnen angeblich geschenkt haben soll.

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