Der Schlechtmensch

Francisco Goya -  Fight with Cudgels (Quelle: Wikimedia Commons)

Der Schlechtmensch ist der Bruder des Gutmenschen. Sie haben das letzte Mal vor über 10 Jahren miteinander telefoniert.

Der Schlechtmensch bewohnt ein großes Haus. Er ist sehr gastfreundlich. Manchmal sitzt bei ihm jemand auf dem Sofa. Nicht zulange, das Haus ist viel Arbeit für den Schlechtmenschen.

Der Schlechtmensch glaubt nicht an Verschwörungen. Er glaubt überhaupt nicht. Er hat Überzeugungen und trägt deswegen auch keine Bedenken mit sich herum – solange ihm alle zustimmen. Wenn ihm jemand nicht zustimmt, dann bedenkt der Schlechtmensch die Unterdrückung seiner Überzeugungen.

Der Schlechtmensch ist genügsam. Er stellt keine Forderungen an den Staat – solange es ihm gut geht. Der Schlechtmensch kann sich nicht daran erinnern, wann ihm das letzte Mal ein Grund dafür gegeben wurde sich gut zu fühlen.

Der Schlechtmensch ist unemotional. Für ihn gelten Rationalität und Objektivität. Sein Vermogen darüber kann er beweisen – solange man ihm ausreichend Zeit und Aufmerksamkeit dafür gibt. Dann ist er bereit darzulegen unter welchen von ihm gewählten Bedingungen seine Rationalität und Objektivität beweisbar sind.

Gelegentlich ist der Schlechtmensch unausgeglichen. Wenn er dann auf der Straße einen zu Boden gegangenen behinderten, homosexuellen Ausländer trifft, tritt er ein paar Mal auf ihn ein und schon ist der Schlechtmensch wieder ausgeglichen. Darüber muß man sich nicht beklagen. Es ist alles eine Frage der Selbstdisziplin.

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